Motette im Sinne einer Zuwendung zu historischem Material mit Zitaten aus dem Mittelalter
Aus dem Vorwort:
Zu allen Zeiten waren Komponisten entweder unterwürfig, willfährig, untertan, fügsam, verpflichtet oder entgegengesetzt revolutionär, antiautoritär, aufmüpfig. Anders als die Allgemeinheit annimmt, waren und sind Komponistinnen und ihre männlichen Kollegen stets einem äußeren wie inneren Zwang ausgesetzt, und sie stellen sich dem so oder so.
Günter Berger aus der Anthologie „Untertan - Texte zur Zeit“ (Hrsg.: Reinhard Rakow, 2015)
Wir alle erleben Ungerechtigkeit. Die Frage ist: Wie gehen wir damit um?
Den Komponistinnen und Komponisten (s.o.) geht es hier nicht anders als jedem anderen Menschen, und auch die Bibel kennt diese Triebfeder menschlichen Handelns nur zu gut. Günter Berger hat in seiner Motette „Der Pfad der Gerechtigkeit“ entsprechend markante Passagen der „Sprüche Salomos“ zusammengestellt und weitgehend deklamatorisch vertont. Die Musiksprache ist, nicht nur durch die nahtlose Integration eines Tonsatzes von Philippe de Vitry, bewusst archaisch: Seht her, Ungerechtigkeit und Falschheit hat es immer schon gegeben. Die Mechanismen missbräuchlicher Machtausübung und die Heimtücke der „Bösen“ haben sich seit Salomos Zeiten nicht im Geringsten geändert.
Fortschritt der Menschheit? Fehlanzeige!
Rangehen an die Wurzeln, sich wirklich mit „den Bösen“ (nicht „dem“ abstrakten Bösen) auseinanderzusetzen, sich selbst der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit zuzuordnen, nicht Opportunismus und Kriechertum, das ist, frei nach Brecht, heute wie zu allen Zeiten „das Einfache, das schwer zu machen ist“. Selbstreflexion und Selbstkritik („Jeder meint, sein Verhalten sei richtig“) sind hierfür die besten Ratgeber.
Wer wollen wir sein?
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